Eiswein!

18.01.2012 - Späte Eisweinlese rundet den Jahrgang 2011 ab.

Für so manchen Weinfreund wird mit Eiswein ein Jahrgang erst so richtig rund. Und so werden sich nicht nur Süßweinfreunde über diese gute Nachricht freuen.

Cryoextraktion heißt das Zauberwort! Tiefgefrorenes, hochreifes Lesegut wird im gefrorenen Zustand gekeltert. Dabei gelangen nur die hocharomatischen Inhaltstoffe in den späteren Wein, nicht das gefrorene Wasser. Diese "Gefrierkonzentration" wird (etwa beim Sauternes im Bordelais) durch Einfrieren der Trauben erreicht, auf natürlichem Wege aber entstehen die sogenannten Eisweine aber nur in wenigen Weinbaugebieten der Welt, außer in Deutschland werden zB. auch in Kanada sehr interessante Eisweine gemacht. Dass diese Weinspezialität nur in wenigen Regionen gelingt, liegt an der unabdingbaren Voraussetzung: die Trauben müssen bei mindestens minus 7 Grad gelesen werden. Wenn die Herstellung gelingt, zeigen die Eiswein eine überwältigendes Traubenarome im Einklang mit hochkonzentrierter Süße (keine Botrytis wie ein Sauternes oder auch eine BA oder TBA!). Charakteristisch ist die oft fulminante, sehr pikante Säure.

Während im vergangenen Jahr schon Anfang Dezember die ersten Eisweine eingebracht werden konnte, mussten die Winzer in diesem Jahr erhebliche Geduld mitbringen. Auch viel Fingerspitzengefühle war angesagt, waren doch nur noch wenige Parzellen so gesund, dass sich das Warten lohnen würde. Jetzt aber ist es endlich kalt genug: in der Nacht auf dem 17. Januar war es vielerorts weit unter minus 7 Grad und es konnte losgehen!

Groß ist die Freude im Weingut Gregor & Thomas Schätzle in Vogtsburg-Schelingen am Kaiserstuhl. Dort, so berichtet Thomas Schätzle, rundeten 60 Liter Eiswein vom Grauen Burgunder den 30. Jahrgang des Familienweingutes ab. "Mit sportlichem Ehrgeiz haben wir in den vergangenen Wochen täglich den Zustand der Trauben beobachtet und immer wieder von Fäulnis befallene Beeren entfernt." Gelesen wurde im Schelinger Kirchberg ab 7:30 Uhr bei Temperaturen von minus 8 Grad. "Der Most", so Schätzle, "weist sehr klare Fruchtaromen auf und verspricht schon jetzt hohen Genuss." Gerade das Richtige also, um in den kommenden Monaten des Jubiläumsjahr zu feiern.

Auch in der Pfalz und in Franken standen die vergangenen Nächte im Zeichen des Eisweins: Im Weingut Langenwalter-Gauglitz in Freinsheim gab es Gewürztraminer, Kerner und Grauburgunder zu lesen. Das Weingut Hochdörffer in Landau-Nußdorf konnte am frühen Morgen die Rebsorten Cabernet mitos und Riesling ernten. Das Weingut Winfried Frey in Essingen hat die Rebsorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Scheurebe, Gewürztraminer und Muskateller mit ca. 160° Oe gelesen. Das Weingut Herrenberg St. Martin (Fam. Schneider) in St. Martin konnte die Rebsorte Riesling mit 135° Oe in der Weinlage St. Martiner Schloß Ludwigshöhe ernten.

Auch in den fränkischen Weinbergen konnte vereinzelt für Eiswein gelesen werden, allerdings sind hier durchwegs nur minimale Mengen zu erwarten: zu starken waren die fränkischen Reben durch den Spätfrost im Mai 2011 getroffen worden. Und auch wer jetzt das gefrorene Lesegut einbringt, kann dieses vielleicht gar nicht als Eiswein auf dem Markt bringen: manche Trauben sind bereits von Bortytis (Edelfäule) befallen, sie geben dem Wein ein ganz besonderes Aroma, das allerdings im Falle eines Eisweins nicht erwünscht ist.

Januar 2012, Quellen: Weingut Schätzle, Pfalzwein e.V.

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