VDP Grosse Gewächse Premiere 2018

Aug 29, 2018 | 3 Fragen

3 Fragen an Sommelière Nicole Retter über die VDP.GROSSE GEWÄCHSE® Premiere in Wiesbaden.

Stichtag 1. September 2018: 635 VDP.GROSSE GEWÄCHSE® erzeugt von 184 Weingütern in 309 Premium-Lagen kommen auf den Markt. Private Weinliebhaber haben dann am ersten Septemberwochenende die Gelegenheit, in Berlin diese herausragenden Weiß- und Rotweine kennenzulernen. Einem handverlesenen Kreis internationaler Weinjournalisten, Sommeliers und Weinhändler aber stellt der VDP die Weine vorab in Wiesbaden vor. Diese Anteprima-Verkostung hat Kultstatus und zählt mit zu den wichtigsten Branchenterminen des Jahres.

Mit dabei war in diesem Jahr auch Nicole Retter, IHK-geprüfte Weinfachberaterin und Vize-Präsidentin der Sommelier-Union Deutschland e.V.. An sie gehen unsere heutigen 3 Fragen und wir schauen mit ihr ein bisschen hinter die Kulissen der VDP Grosse Gewächse Premiere 2018.

Wer hier verkostet, gehört lt. VDP zu den „weltweit einflussreichsten Journalisten, Händlern und Gastronomen“. Wie ist die Atmosphäre im Verkostungssaal? Wird da miteinander gesprochen oder verkostet jeder still und konzentriert für sich?

Im Saal ist es meist ziemlich ruhig, es herrscht Gläserklingen, Schlürfen und ein leises Grundrauschen – hier und da eine kleine Diskussion mit dem Nachbarn und dann wieder konzentriertes Verkosten. Es geht sehr diszipliniert zu, bei 426 angestellten Weinen würde es auch gar nicht anders funktionieren. Ich habe gut 300 Weine in den drei Tagen geschafft. Dabei die Konzentration auf hohem Niveau zu halten, ist durchaus eine Herausforderung.

Am Sonntag gab es „alles außer Riesling“, was steht am Montag und Dienstag auf dem Programm? Wie sind die einzelnen Flights aufgebaut?

Viele Verkoster hatten sich in der Vergangenheit ausschließlich auf die Rieslinge konzentriert, dabei kamen die anderen Rebsorten etwas zu kurz. Diesem Umstand hat der VDP mit dem zusätzlichen Verkostungstag am Sonntag Rechnung getragen. An diesem Tag kann man dann alle Burgundersorten und Silvaner (und einen Traminer) in Ruhe verkosten. Am Montag und Dienstag werden dann zusätzlich auch alle Rieslinge präsentiert. Wer also am Sonntag noch nicht dabei sein konnte, hat an den weiteren beiden Tagen immer noch die Möglichkeit, alle Weine zu probieren.

Die Organisation der Veranstaltung durch den VDP ist großartig. Die Weine sind in 6er Flights nach Herkunft geordnet, d.h. man kann häufig die einzelnen Lagen verschiedener Winzer nebeneinander probieren. Fleißige Servicemitarbeiter bringen den jeweiligen Flight perfekt temperiert auf Bestellung an den Tisch und schenken ein. Wir müssen dann „nur“ noch verkosten.

Mit dabei in Wiesbaden bei der VDP Grosse Gewächse Premiere 2018: Sommelière Nicole Retter.

Es ist sicher schwierig bei dieser Fülle an Weinen etwas pauschal über die Jahrgänge (weiß 2017 /rot 2016) zu sagen. Aber gibt es, neben Winzerhandschrift und Terroir, einen „roten Faden“, der diese Weine im Sinne einer Jahrgangscharakteristik verbindet?

Wirklich schlechte Jahrgänge gibt es wohl nicht mehr, aber wie „groß“ dieser Jahrgang tatsächlich ist, zeigt sich meiner Ansicht erst mit den Jahren. Bei vielen Weinen freue ich mich darauf, sie in 5, 10 oder 15 Jahren wieder zu probieren.

Spannend finde ich insgesamt die Wandlung in der Stilistik in den letzten Jahren. Gab es beim Riesling früher noch sehr viele gelbfruchtigen Weine, oft mit leichter Süße, findet man diese heute immer weniger. Dafür steigt die Anzahl der Weine mit weniger Frucht, mit mehr Würze und Tiefe, die oft wirklich trocken sind. Die Bandbreite wird größer, es kommt inzwischen auch einmal ein leicht trüber, unfiltrierter Wein auf den Tisch, die Individualität steigt.

Verrätst du uns zum Schluss, was dir am besten gefallen hat? Gab es einen Wein, bei dem du spontan hin und weg warst? Sozusagen eine Liebe auf den ersten Schluck?

Es gab einige, die mich wirklich begeistert haben. Da sind zum einen die Weine, die seit Jahren ganz oben stehen, und die mir auch in diesem Jahr wieder eine Gänsehaut beschert haben. Kellers Hipping und Morstein, Christmanns Idig und Dönnhoffs Hermannshöhle fallen mir da zuerst ein. Wirklich großartig fand ich auch den Stein-Harfe Riesling vom Bürgerspital. Zum Silvaner habe ich bekanntlich eine ganz besondere Liebe, da gefielen mir Luckerts Maustal, Weltners Hoheleite, die beiden Sauers in ihrer ganz unterschiedlichen Stilistik, wieder die Stein-Harfe vom Bürgerspital, aber auch der sehr feine Julius-Echter-Berg von Ruck. Die würde ich mir alle in den Keller legen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Drei Tage lang stand das Kurhaus Wiesbaden ganz im Zeichen der VDP Grosse Gewächse Premiere 2018. Gut 150 Weinexperten aus aller Welt hatten die Gelegenheit 426 Weine der Jarhgänge 2017 (Weißwein) und 2016 (Rotwein) noch vor dem offiziellen Release am 1. September 2018 zu verkosten.

VDP Grosse Gewächse Premiere 2018: Der Verkostungssaal in Wiesbaden. Bildrechte: Nicole Retter

Hier wurde verkostet: der große Saal im Kurhaus Wiesbaden. Die Flights: sortiert nach Regionen und Rebsorten.

VDP Grosse Gewächse Premiere 2018: Grosse Gewächse warten auf die Verkostung. Bildrechte: Nicole Retter

22 Kühlschränke, 50 Service-Mitarbeiter und 3.500 Gläser garantieren einen reibungslosen Ablauf.

VDP Grosse Gewächse Premiere 2018: Kistenweise Premiumweine. Bildrechte: Nicole Retter

Warten auf den großen Auftritt: insgesamt gingen 4.250 Flaschen an den Start.

Hintergrundinformation: Die VDP-Klassifizierung.

Lage, Lage, Lage – das ist die Basis der der vierstufigen VDP-Klassifikation, deren Umsetzung mit dem Weinjahrgang 2012 begann. Ziel ist es, „die Wertigkeit der besten Weinbergslagen Deutschlands als Bestandteil einer einzigartigen Kulturlandschaft zu bekräftigen; Weinlagen, in denen Weine gedeihen, die zu den besten der Welt zählen“. VDP.GUTSWEIN ist die Basis der Qualitätspyramide, es folgen VDP.ORTSWEIN, darüber dann VDP.ERSTE LAGE® und schließlich, an der Spitze, die VDP.GROSSE LAGE® – die hier erzeugten (trockenen) Weine kommen als VDP GROSSES GEWÄCHS® in den Handel.

Einen hervorragenden Überblick über die ersten und großen Lagen des VDP gibt seit Anfang 2018 die Seite Weinberg.Online. Siehe dazu auch unser Bericht vom Januar.