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Weintrends 2024

Was kommt, was geht? Was sind die Dauerbrenner? Und wie in jedem Jahr die Frage, was sind die Modeweine und Weinmoden? Wir stellen euch hier unsere persönlichen 5 Highlights an Weintrends für 2024 vor und sagen euch, wonach ihr jetzt Ausschau halten solltet.

Unsere 5 wichtigsten Weintrends für das Jahr 2024

Weintrend 1 – Nachhaltigkeit

Ein weites Feld, ein großes Thema und natürlich nicht neu im Zusammenhang mit Wein. Aber es kommen neue Facetten dazu. Auf der einen Seite sind die Winzer mit den Herausforderungen des Klimawandels, die in Form von extremen Wetterereignissen an die Substanz gehen, konfrontiert. Dazu kommen gesetzliche Vorgaben, wie etwa das europäische Klimaschutzgesetz und die Forderungen des sog. „Green Deals“, die bis ins Jahr 2050 umgesetzt werden müssen und die für tiefgreifende Veränderungen unserer Landwirtschaft und damit auch des Weinbaus sorgen werden (Stichwort Pestizid- und Düngemitteleinsatz). Eine weitere wichtige Rolle spielen Ressourcenknappheit und ein damit verbundener Anstieg der Rohstoffpreise. Auf der anderen Seite stehen die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher. Immer mehr Weingenießer möchte genauer wissen, was sie da im Glas haben und wie das gemacht wurde. Ist das vegan, welche Zusatzstoffe sind enthalten und so weiter. Das wird zwar in Zukunft leichter in Erfahrung zu bringen sein, wenn die nach den neuen gesetzliche Vorgaben gestalteten Etiketten mehr Informationen zu Nährwerten und Zutaten bieten müssen. Seit dem 8. Dezember 2023 gibt es hier neue Vorschriften, die hier gut auf den Punkt gebracht werden. Aber klar ist auch: je transparenter das Ganze wird, desto mehr wankt die Mär vom Wein als Naturprodukt, desto genauer wird hingeschaut. Und das heißt am Ende eben auch, dass Nachhaltigkeitszertifizierungen mehr denn je gefragt sind. Ein überzeugendes Beispiel für einen gelungenen Weg zur Nachhaltigkeit gibt der VDP.Die Prädikatsweingüter, dessen Mitglieder sich bereits im Jahr 2021 darauf einigten, sich bis spätestens 2025 entsprechend zertifizieren zu lassen. Auch verständigt man sich darauf, konsequent auf leichtere Glasflaschen zu setzen, um so die CO2-Bilanz zu verbessern.

 

Weintrend 2 – PIWI

Wie schon in den Vorjahren bleiben die PIWI-Rebsorten auf unserer Watchlist. Die pilzwiderstandfähige Neuzüchtungen, die aufgrund ihrer Resistenzen gegen Mehltau 80 Prozent weniger Spitzmittel benötigen, zahlen in großem Maß auf ads Thema Nachhaltigkeit ein. Nicht nur weniger Fungizide werden hier benötigt,  auch weniger Treibstoff und Wasser werden verbraucht, weniger CO2 wird ausgestoßen, wenn der Winzer mit seinem Traktor nur 1-2 mal in den Weinberg muss und nicht wie bei konventionellen Sorten mehrere Durchgänge notwendig sind. Auch wenn der Anteil der PIWI bislang bei nur bei etwa 3 Prozent liegt – sie sind längst kein Nischenprodukt mehr. Das zeigt auch die die von Eva Vollmer initiierte Bewegung Zukunftsweine, die Ende 2022 mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet wurde und der sich immer mehr Winzer anschließen. Auch die ProWein 2024, die Leitmesse der Weinbranche, identifizierte PIWI als Trendthema vor allem des Bioweinbaus: „Pilzbefall ist und bleibt eine der größten Herausforderungen im Bio-Weinbau. Verstärkt wird das zusätzlich durch eine steigende Nachfrage nach Bio-Weinen, nicht zuletzt resultierend aus dem ausgeprägten Öko-Bewusstsein der Verbraucher. Hier bieten die PiWi-Rebsorten mit ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Pilzbefall einen neuen und coolen Weg für den Bio-Weinbau.“ Aber nicht nur ökologisch wirtschaftende Winzer interessieren sich mehr und mehr für die Neuzüchtungen: auch im konventionellen Weinbau lassen sich damit entscheidende Schritte hin zu mehr Nachhaltigkeit gehen und so den genannten Green Deal nicht nur als unerreichbare Utopie erscheinen. Und die gute Nachricht für alle interessierten Weinbauern: waren die PIWI lange Zeit rar in den Rebschulen und Wartezeiten an der Tagesordnung, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Die auf die resistenten Sorten spezialisierten Rebschulen wie etwa Kiefer & Sester (ca. 85% PIWI-Anteil im Sortiment) können für die kommende Pflanz- und Veredelungssaison ausreichend liefern. Meist nachgefragte Sorte ist übrigens aktuell der Souvignier Gris. Mehr zum Thema PIWI findet ihr hier.

 

Weintrend 3 – Packaging

Auch diesen Trend verdanken wir letztendlich dem Ruf nach mehr Nachhaltigkeit. Dicke und schwere Glasflaschen sind definitiv out. Was einst als „wertig“ und „edel“ galt und vor allem für teurere Edelweine gerne eingesetzt wurde, wirkt heute nur noch deplatziert. Aber auch „normale“ Glasflaschen werden mehr und mehr diskutiert. Denn nachweislich entfallen mehr als 50% des bei der Weinherstellung anfallenden CO2-Ausstoßes auf das Packaging und hier zu großen Teilen auf die Herstellung und Wiederaufbereitung des Flaschenglases. Während herkömmliche Flaschen gut 500 g auf die Waage bringen, sind Leichtglaslösungen nur etwa 350g schwer. Ihnen gehört die Zukunft, ebenso wie Pfandsystemen. Das Weingut Galler landete im vergangenen Jahr mit seiner PIWI-Cuvée in der (Bier)Pfandflasche einen echten Coup, inzwischen gibt es zahlreiche weitere Weine in weiterverwendbaren Flaschen. Auch der innovative Klassiker Bag-in-Box (erfunden vor Jahrzehnten!) könnte sich jetzt mehr und mehr durchsetzen. Und das auch in Deutschland, wo man dieser Verpackung bislang recht skeptisch gegenüber steht und sie oft (noch) mit minderer Qualität assoziiert. Ganz anders in den USA, wo BiB schon lange etabliert sind, wo aber auch Wein in Aludosen und -flaschen mehr und mehr selbstverständlich wird. Umdenken wird man am Ende vielleicht auch im Rioja, wo die Regularien des Consorcio bislang Glasflaschen vorschreiben. Wer weiß, was da noch so auf uns zukommen wird! In der Gastronomie und auf Events jedenfalls sind Edelstahl Kegs auf dem Vormarsch. Wein vom Hahn heißt das Motto hier und wer Angst hat, dass hier nur einfachste Qualitäten gezapft werden: Keine Sorge, auch hier wächst die Bandbreite und immer mehr Qualitätswinzer springen auf den Keg-Zug auf. Und nicht zuletzt könnten sich langfristig auch ganz andere Materialien durchsetzen: Frugalpac hat im Jahr 2020 eine vielbeachtete Weinflasche aus Papier vorgestellt. Die innovative, nur 82 Gramm schwere Lösung, die im vergangenen Jahr den renommierten PAC Global Award gewonnen hat, ist allerdings aktuell noch eine Ausnahmeerscheinung.

Weintrend 4 – Weintourismus

Wein dort zu genießen, wo er gemacht wird, steht hoch im Kurs. Weinwandern, Einkehren und Übernachten beim Winzer sind beliebt wie nie. Und die Zahl der Weingüter, die den Weintourismus als Vermarktungsinstrument für sich entdecken, wächst seit Jahren. Ob Wohnmobilstellplatz, Gästezimmer oder Wellness-Hotel: das ist für jeden Urlaubswunsch und jeden Geldbeutel was mit dabei. Dabei kann ein Gutsausschank kann heute viele Gesichter haben: es gibt da mediterran inspirierte Weingutsgärten, historische Parkanlagen, traditionelle Winzerhäuser oder auch spannenden moderne Architekturkonzepte. Eines aber gilt immer: wie auch immer sie aussehen, sie sind eine wunderbare Gelegenheit, um vor Ort das Sortiment eines Weingutes zu probieren und dazu vielfältige kulinarische Angebote zu genießen. Für uns ist diese Art des Slow Tourismus einer der schönsten Weintrends 2024..

 

Weintrend 5 – Klassiker & Ortsweine

Wenn wir uns so ansehen, was derzeit in die Gläser kommt, zeichnet sich ein großer Trend ab: Back to the roots. Klassische Appellationen und Rebsorten erleben eine Renaissance. Riesling von der Mosel und aus dem Rheingau, Schweizer Chasselas, Chardonnay aus Burgund, Chianti Classico, Grüner Veltliner, aber auch Portwein und der immer unter dem Rader fliegende Madeira sind zurück. Gut, richtig „out“ waren sie nie, aber Riesling galt manchen als zu traditionell, die Burgunder schrecken mit ihren zuweilen astronomischen Preisen ab, ebenso wie Chianti. Dennoch: wer in den Regionen ein bisschen nach links und rechts schaut und nicht unbedingt auf der Topliga besteht, kann hier, wo Qualität und Herkunft in bester Manier aufeinandertreffen, durchaus sehr glücklich werden. Klar, wir reden hier nicht von günstigen Weinen, aber schon von Weinen mit einem hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnis (vor dem Hintergrund, dass „fortgeschrittene“ Weinkonsumenten durchaus bereit sind, ein bisschen mehr in ihre Leidenschaft zu investieren. Bestens beraten ist man auf alle Fälle, mal die Weine in der zweiten Reihe genauer unter die Lupe zu nehmen. Unser Tipp: schaut euch hier in Deutschland mal die VDP.Ortsweine genauer an. Die können oft richtig viel und sind hervorragende Vertreter ihres Terroirs. Und das bei vergleichsweise moderaten Preisen.

 

Unsere Weintrend-Evergreens des Jahres:

Manche gehypte Weintrends der letzten Jahre waren erstaunlich schnell weg vom Fenster. Andere sind gekommen und geblieben, so wie diese:

Rosé

Drink Pink in der Endloschleife. Provenzalischer Rosé in Poleposition, deutscher Rosé wenig gefragt.

In den letzten 20 Jahren, das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des OIV (Organisation Internationale de la Vigne et du Vin), hat weltweit die Rosé-Produktion um 25% zugenommen! Der Marktanteil liegt heute bei durchschnittlich 8%. Der meiste Rosé wird übrigens nach wie vor in Frankreich produziert und auch konsumiert – fast ein Drittel der weltweiten Produktion! Und der große Zuwachs des Rosé geht vor allem auf die sprunghaft angestiegen Nachfrage in UK, den USA und nicht zuletzt in Deutschland zurück.

Aber: während in Frankreich heute in Frankreich nahezu jeder dritte produzierte Wein rosa ist (der Marktanteil liegt heute bei ca. 32 Prozent, gegenüber gut 24% im Jahr 2000), ging im gleichen Zeitraum in Deutschland die Produktionsmenge bei Rosé deutlich zurück: von mageren 4 % auf noch magerere 2,4%. Ob sich hier vielleicht noch eine Wende einstellt und die deutschen Winzer versuchen, noch auf den Rosé-Zug aufzuspringen? Lassen wir uns überraschen!

 

Low Alcohol / No Alcohol

„NoLo”s sind vieles, nur keine No-Noshows.

Alkoholfreie Alternativen und leicht-alkoholische Getränke stehen weiterhin in der Gunst der Konsumenten. Vor allem jüngere Genießer verzichten mehr und mehr auf Alkohol. Die Auswahl in diesem Bereich wird immer größer: ob entalkoholisierte Weine und Schaumweine, fermentierte Getränke wie etwas Kombucha, Getränke auf Teebasis und vieles mehr: die Auswahl ist groß. Auch das Thema alkoholfreies Foodpairing spielt ganz vorne mit und das nicht nur in der Spitzengastronomie.

 

Orangewein

Raus aus der Nische, rein ins Sortiment.

Maischevergorene Weißweine, Spontangärung – was vor ein paar Jahren noch bei vielen Winzern für Kopfschütteln sorgte, ist jetzt auch in der konventionell arbeitenden Mitte der Winzerschaft angekommen, Orangeweine (wenngleich zahlenmäßig immer noch in der Nische) gehören mittlerweile zum guten Ton, auch längt für bieder gehaltenen Winzergenossenschaften Land auf Land ab haben inzwischen „ihren“ Orangewein auf der Liste.

 

And the winner is … Schaumwein!

Bubbles haben immer Konjunktur. Es muss nicht immer Champagner sein. Deutsche Flaschengärungen auf dem Erfolgskurs.

Auch wenn der Alkoholkonsum insgesamt (auch weltweit) deutlich zurückgeht, bei Sekt sagen weniger nein. Das zeigen auch die neuesten Zahlen zum Weinkonsum, die das Deutsche Weininstitut jetzt veröffentlichte. So ist im Weinwirtschaftsjahr 2022/23 (01.08. 2022 bis 31.07. 2023 der Pro-Kopf-Weinkonsum deutlich von 19,9 Liter auf 19,2 Liter (bezogen auf die Gesamtbevölkerung) zurückgegangen, während der Schaumweinkonsum stabil bei 3,2 Litern (pro Kopf / Gesamtbevölkerung) liegt. Interessant: In Frankreich gingen (nicht zuletzt auf Grund der deutlich angezogenen Preise) die Absätze bei Champagner drastisch zurück. Gewinner dieser Entwicklung sind zwei deutlich günstigere Schaumweine: Prosecco, der bei den französischen Konsumenten unter 50 derzeit boomt und so für ein Absatzplus von etwa 9% sorgt, auch Crémant ist mehr gefragt denn je und legt 4% zu. In der Champagne interpretiert man die Zahlen freilich etwas anders: der rückläufige Konsum sei nach den Rekordumsätzen im Jahr 2022 (325,5 Mio Flaschen, davon 42,5% in F, erster Exportmarkt = USA) eine Rückkehr zur Normalität.

 

Und auf welche Weinphänomene könnten wir verzichten?

  • Rotweine mit über 15 Prozent – auch wenn so mancher Primitivo-Jünger erst ab 17 Prozent so richtig in Fahrt kommt. Bitte, das geht doch auch leichter, selbst in Zeiten von sommerlicher Affenhitze.
  • Weine ohne Ecken und Kanten, deren einziger Charakterzug Primärfruchtigkeit heißt
  • Spritz! Wie wär es denn mal mit Kir, Port Tonic oder Kombucha on the rocks? Wir haben im Sommer lange genug orange gesehen…

 

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