Die 5 wichtigsten Weintrends 2021

Ein Jahr leben wir nun bereits mit den Herausforderungen und Unsicherheiten, mit denen Covid unseren Alltag durcheinandergewirbelt hat. Ein Jahr, in dem sich gerade auch in der Weinbranche sehr viel verändert hat. Ein Glas Wein in der Lieblingsbar, ein Ausflug mit Freunden zum Winzer, Weinwandern mit Weinproben am Wegesrand – Fehlanzeige im Jahr 2020. Anstatt dessen: Wein online bestellen, das feine Menü to go und jede Menge digitale Verabredungen und Online-Tastings. Verändert haben sich nicht nur die Konsumgewohnheiten, auch das Einkaufsverhalten wurde und wird weiterhin bestimmt durch pandemiebedingte Einschränkungen. Der Online-Handel boomt – das berichtet der Handel übereinstimmend, wenngleich genaue Zahlen ausstehen. Wie aber wird sich die ganze Sache in den kommenden Monaten entwickeln? Was das Virus und seine weitere Mutationsfreudigkeit angeht, wagen wir keine Prognosen. Anders sieht es aus in Sachen Wein und Weingenuss – wir stellen Euch heute die wichtigsten Themen für 2021 vor.

Diese 5 Trends werden Euch in den kommenden Monaten begegnen und Euch sicher jede Menge neuer Geschmackserlebnisse ins Glas bringen.

 

Weintrends 2021

Trend 1 – Digital

Das Weingut zu Gast im Wohnzimmer | Nicht neu, aber in 2021 noch beliebter denn je. Inzwischen sind so gut wie alle vertraut mit den digitalen Instrumenten, ob Zoom, Microsoft Teams oder Google Meet – das klappt mittlerweile reibungslos und so kommt jetzt die Kür. Ging man in der Prä-Corona-Zeit mit Freunden zu einer Weinprobe, um einen schönen Abend zu haben, sich zu unterhalten und dabei auch Wein zu verkosten, haben sich nun die Erwartungshaltungen verändert. Man sitzt allein oder allenfalls zu zweit vor dem Bildschirm, sieht zwar die anderen Teilnehmer, kann bisweilen auch im Breakout-Room ein wenig plaudern – letzten Endes aber ist die digitale Weinprobe intimer, direkter und auch konzentrierter. Die Erwartungshaltungen auf beiden Seiten des Screens sind hoch, Ablenkung rar und heißt das Gebot der Stunde „Edutainment“. Die virtuelle Weinprobe wird mehr und mehr zum Weinseminar, in dem man jede Menge erfährt über die Weine, aber auch über die Winzer und das, was sie antreibt.

Was noch fehlt? Kleinere Flaschen für die Online-Tastings! Manche Winzer und Weinhändler haben das in den vergangenen Monaten bereits umgesetzt und 0,375 bzw. 0,25 Liter-Fläschchen verschickt, im B2B-Bereich haben sich kleine Probeabfüllungen bereits vermehrt durchsetzen können – hoffen wir, dass in Zukunft noch mehr Anbieter auf ressourcenschonende Klein- und Kleinstabfüllungen setzen.

 

Trend 2 – PIWI

Neue Rebsorten, die man jetzt probieren sollte | PIWI steht für „Pilzwiderstandsfähige Rebsorten“, gemeint sind damit Neuzüchtungen, die weitgehend resistent gegen die wichtigsten Pilze (etwas Mehltau) sind. Da diese Sorten also von sich aus robust und gesund sind, brauchen sie weniger Pflanzenschutz, der Einsatz von Fungiziden und anderen chemischen Substanzen lässt sich deutlich zurückfahren. Dies macht die PIWI-Sorten besonders im Bioweinanbau gefragt – und bei Konsumenten, die Wert auf umweltschonend und nachhaltig erzeugten Wein legen. Die meisten PIWIs sind noch recht unbekannt, am ehesten dürften noch Regent und Cabernet Blanc (der nicht wie manchmal angenommen ein weiß gekelterter Cabernet Sauvignon ist!) geläufig sein. Aber wer von Euch hat schon mal Solaris, Souvignier Gris oder die erst Ende 2020 offiziell zugelassene Felicia probiert? Eben, das ist noch jede Menge zu entdecken!

Was macht PIWI so besonders? Unempfindlich gegenüber Pilzdruck und klimatischen Schwankungen scheinen die PIWIs in der Tat zukunftsweisend zu sein, so sehen das auch die beiden Winzerinnen Eva Vollmer und Hanneke Schönhals und widmen sich mit ihrer Initiative Zukunftsweine diesem spannenden Thema.

Trend 3 – Alkoholfrei

Like a virgin |Nicht nur jetzt im „Dry January“ boomen Weine und Sekte ohne Alkohol! Die längste Zeit galten die Nullprozenter als wenig attraktive und in den seltensten Fällen schmackhafte Verlegenheitslösungen, jetzt aber reiten viele Winzer und Kellereien die alkoholfreie Welle. Und siehe da: Konkurrenz belebt das Geschäft gilt auch in diesem Fall und so werden die ent-alkoholisierten Weine und Sekte tatsächlich immer besser. Vorbei sind die Zeiten, in denen nur Schwangere und Autofahrende das Getränk „ohne Umdrehungen“ wählten. Längst stoßen alkoholfreie Weine auf breite Akzeptanz bei allen, die aktuell verstärkt auf ihre Gesundheit achten und jenen, die im Home-Office einen klaren Kopf bewahren, auf ein Gläschen Wein zum Essen aber nur ungern verzichten möchten. Übrigens boomen auch null-prozentige Spirituosen (an sich ja echt in Widerspruch in sich!): immer mehr an Gin, Rum und anderen Klassikern inspirierte, alkoholfreie Destillate bringen mit spannenden Botanicals frischen Wind in die Cocktailszene. Könnte sein, dass die Bezeichnung „trockener Martini“ so in ein paar Jahren eine ganz neue Bedeutung bekommt…

So geht’s weiter: waren alkoholfreie Weine und Sekte bislang dem einfachen Marktsegment überlassen und eher eine Randerscheinung, steigen nun mit der immer größer werdenden Nachfrage immer mehr namhafte Winzer und Sektkellereien in das nullprozentige Geschäft ein. Und eines ist klar: je besser der Grundwein vor dem Alkoholentzug war, umso besser mundet auch der alkoholfreie Wein! Also, Augen auf bei der Auswahl und einfach mal mutig probieren!


Trend 4 – Schaumwein

Let Bubbles open your heart | Deutschland ist nach nach Italien und Frankreich weltweit führend in der Schaumweinproduktion, auch getrunken wird Sprudelndes hierzulange sehr gern: seit Jahren sind die deutschen Sektliebhaber mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von zuletzt knapp 3,5 Litern in Folge unangefochtene Weltmeister. Immer öfter kommen dabei heimische Winzersekte ins Glas. Während allerdings noch vor einigen Jahren viele Weingüter ihre Weine extern versekten ließen, ist seit einiger Zeit ein deutlicher Wandel zu beobachten. Immer mehr Weingüter entscheiden sich, ihre Schaumweine selbst zu produzieren, auch sind reine Sektmanufakturen auf dem Vormarsch. Wie groß die Vielfalt und auch die Qualität inzwischen sind, stellen unter anderem die Mitglieder des Verbands Traditioneller Sektmacher unter Beweis, einen guten Überblick über die besten Erzeuger bietet auch der VINUM Sektaward.

Prickelnde Aussichten: ob ein Schlückchen für den Kreislauf oder Aufmunterung im „Corona-Mehltau“, wie der Soziologe Hartmut Rosa unseren derzeitigen Lockdown-Frust kürzlich in einem Interview bezeichnet hat – Sekt hat Konjunktur, jetzt erst recht! Gefragt sind dabei neben Winzersekten und dem Alltime-Favourite Prosecco jetzt ganz besonders sog. Pet Nats (Petillant Naturel), die längst nicht mehr in der (Naturwein-)Ecke stehen müssen.

Trend 5 – Grauburgunder

Everybody‘s Darling | Ist er eine Rebsorte oder doch eher ein Phänomen? Dauerbrenner oder Neuentdeckung? Wie auch immer man zu Grauburgunder oder seinem italienischen Kumpel Pinot Grigio stehen mag: an dieser Sorte kommen wir auch im Jahr 2021 nicht vorbei. Er ist der heimliche Star der Weinkarten und der beste Freund der Gastgeber. Denn mal ehrlich: welche andere Rebe ist so zugänglich und doch nicht fad, hat nur moderate Säure sowie eine zurückhaltende, sich niemals in den Vordergrund drängende Frucht? Der Grauburgunder jedenfalls hat es raus und das macht ihn auch in größeren Runden (die hoffentlich irgendwann in 2021 wieder möglich sein werden) zum idealen, weil eigentlich jedem schmeckenden Menübegleiter. Kein Wunder also, dass er überall in Europa, wo das Klima eher gemäßigt und nicht zu heiß ist, sehr erfolgreich kultiviert wird. In Norditalien zum Beispiel, wo vor kurzem vermeldete die noch recht junge norditalienische DOC Pinot Grigio delle Venezie für den Jahrgang 2020 stolze 214 Millionen abgefüllte Flaschen meldete. In Deutschland ist Grauburgunder immerhin die drittmeiste weiße Rebsorte (nach Riesling und Müller-Thurgau): knapp 7% aller Weinberge sind mit der vielseitigen Rebsorte bepflanzt.

Größtes Vorurteil über Grauburgunder? Er taugt nicht zum Spitzenwein. Tut er doch! Das zeigen recht eindrücklich die feinen Exemplare, die in Baden als Große Gewächse aus den besten Lagen der Region kommen, also zum Beispiel der Henkenberg von Konrad Salwey oder auch Friedrich Kellers Achkarrer Schlossberg.

Ebenfalls heiß diskutiert in 2021: die App Clubhouse und ihre Eignung für die Weinbranche, das Thema Verpackung (hat die Glasflasche ausgedient? was ist von dem US-amerikanischen Trend der Abfüllung in Dosen zu halten?) sowie Cuvées mit auffälligen Etiketten und Namen.