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Frühlingsweine

Frühlingsweine, Sommersprudler, Winterrote – kennt ihr auch „Jahreszeitentrinker“? Mein Nachbar zum Beispiel ist so einer. Im Winter schwört Achim auf kraftvolle, muskulöse Rotweine. Ihr wisst schon, diese Weine, die einem schon nach einem halben Glas die Zähne verfärben, als hätte man auf eine Tintenpatrone gebissen. Die aber, klarer Vorteil, auch von innen wärmen und was Frucht und Würze angeht, keine falsche Bescheidenheit an den Tag legen. Achim jedenfalls liebt diese Weine, am meisten liebt er sie, wenn sie aus sonnenverwöhnten Regionen wie Apulien (Primitivo!), Südostaustralien, oder auch der spanischen Extremadura kommen. Er könnte stundenlang über diese Weine und seine Liebe zu ihnen erzählen. Zumindest im Winter. Interessiert sich Achim jedoch plötzlich für Weißwein, ist das ein untrüglicher Frühlingsbote. Dann, soviel ist sicher, bricht die Zeit der Frühlingsweine an.

Auf seinen Spürsinn ist Verlass – er steckt, was das angeht, jeden Wetterfrosch und jedes winterschlaftrunkene Bärenmännchen spielend in die Tasche. Sobald er Frühlingsluft wittert, räumt er seinen Keller um. Das muss man sich in etwa so vorstellen, wie wenn andere den Kleiderschrank umräumen, die Wintersachen wegpacken und die luftigeren Stücke wieder aus den Kisten und Schubladen holen. Bei Achim sind es dann keine Shirts, sondern Frühlingsweine, die auf Augenhöhe locken.

Alles neu macht … der Frühlingswein!

Achims Frühlingsweiße sind übrigens in der Regel gar nicht so leicht und auch oft im Holzfaß gereift – als hätte er ein wenig Angst, von den wuchtigen Winterweinen zu schnell auf leichte Sommerware umzusteigen, fast als fürchte er sich vor Barrique-Entzugserscheinungen. Wer aber diese Angst nicht teilt, dem öffnet sich jetzt in ein echter Weinkosmos. Warum nicht einmal den Gaumen auf Weltreise schicken und ganz gezielt leichte, feine, filigrane und auch elegante Weißweine aus verschiedenen Anbaugebieten vergleichen? Und testen, welcher Wein zu welcher frühlingshaften Speise (Spargel! Wildkräuter!) am besten passt? Ich bin mir sicher, dass ihr auf diese Weise so einige Entdeckungen machen werdet. Schaut euch doch schon mal um bei den Weinhändlern in eurer Nachbarschaft – die Saison hat auch dort bereits begonnen. Ich habe übrigens gestern gesehen, dass Achim anfängt, alte Kartons aus seinem Keller zu entsorgen. Also wenn ihr mich fragt – Frühling, ick hör dir trapsen

Ein Cheers auf den Frühling!

Auf was wartet ihr noch? Feiert das Wiedererwachen der Natur mit einem Glas feinperligen Secco, Winzersekt oder auch Champagner. Geht draußen auf die Suche nach Wildkräutern wie Brennessel,  Scharbockskraut und Bärlauch.. Macht eure Küche startklar für die neue Saison und kombiniert Gemüsefrische mit würzigen Weißweinen. Lasst eurer Entdeckerlust freien Lauf – ihr werdet staunen!

Osterbrunch mit fein gereiften Weißweinen, Credits: wein-abc 2023

Gesellige Anlässe bietet der Frühling in Hülle und Fülle. Ein Highlight ist für viele sicher der Osterbrunch – ein feiner Kabi passt gut dazu! Ebenso wie Schaumweine aller Art – die Auswahl ist wie immer eine Frage des eigenen Geschmacks.

 

Frühlingsweine im Glas

  • Silvaner – der fränkische Allrounder, der in vielerlei Qualitäten erhältlich ist und der immer, aber auch wirklich immer Spaß macht
  • Müller-Thurgau und Scheurebe – 2 aromatische Gesellen, ziemlich unterschätzt und keinesfalls altmodisch!
  • Pet Nat – schäumt, prickelt und macht gute Laune
  • Riesling Kabinett – ein Klassiker, der nie wirklich aus der Mode kommt. Und habt keine Angst vor Süße und probiert mal „fruchtig“ – ja, das ist süß, ja, das erinnert im ersten Moment an Limo – beim 2. Schluck aber werdet ihr viel mehr entdecken: Eleganz, eine intensive „Multifrucht“ (Aprikose steckt drin, Birne, oft auch etwas Salziges). Und schaut mal auf den Alkoholgehalt! Ja, auch was das angeht, ist der Kabi voll im Trend der alkoholleichten Weine.
  • Weißburgunder – talentierter Speisenbegleiter, passt zu vielem, gefällt allen und ist dabei alles aber garantiert nicht langweiligChardonnay – ABC („anything but chardonnay“) ist längst Vergangenheit, ohne schwere Barriquenoten und schwülstige Vanille- und Toastnoten zeigt diese Rebsorte heute, was sie kann
  • Blanc de Noirs – ein Weißwein, der aus Rotweintrauben gemacht wurde (ja, das geht, da die rote Farbe bei den gängigen Rebsorten nur in den Schalen sitzt und der Saft hell bis farblos ist)
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