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Weinlese Credit: DWI, deutscheweine.de

Weinjahrgang 2025 in Deutschland: kleine Menge, gute Qualitäten

Mit einer voraussichtlichen Weinmostmenge von 7,3 Millionen Hektoliter (was in etwa 300 randvoll gefüllten olympischen Schwimmbecken entspricht) wurde in Deutschland in diesem Herbst die kleinste Ernte seit 15 Jahren eingefahren. Man liegt gute 15 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt.Vor allem in den großen Gebieten Baden, Pfalz (-17% gegenüber 2024), Rheinhessen (-26% gegenüber 2024) und Württemberg (-22% gegenüber dem langjährigen Mittel) brachte der Jahrgang 2025 deutlich weniger Ertrag. Die Gründe dafür liegen v.a. an Trockenheit und Hitze während der Vegetationsphase: vielerorts bildeten sich nur sehr kleinbeerige, lockere und oft auch auffällig markige, auch dickschalige Trauben aus, die nur wenig Saftausbeute brachten. Anders an der Mosel, wo man in diesem Jahr deutlich mehr als im Vorjahr in die Keller bringen konnte.

Ausgeprägte Aromatik, Frische und Struktur geben bei den Weinen des Jahrgangs 2025 den Ton an

Und die Qualität? Mit der zeigen sich die Winzer in allen Anbaugebieten durchaus zufrieden. Verheerende Wetterereignisse wie Spätfröste und sintflutartige Regen blieben 2025 so gut wie aus, auch Pilzdruck und Schädlingsbefall hielten sich im Rahmen. Die Trauben reiften früh und hocharomatisch aus, dank zumeist kühlerer Nachttemperaturen konnte sich auch eine gute Säurestruktur ausbilden. Von einem „animierenden Frucht-Säure-Spiel“ etwa spricht Arne Bercher vom Kaiserstuhl (Baden), auch in Franken freut man sich auf 2025er Weine mit „frischer, lebendiger Fruchtsäure und schönen Aromen“, wie Weinbaupräsident Artur Steinmann berichtet. So sieht man es auch im VDP.Die Prädikatsweingüter: „Trauben mit viel Ausdruck, straffer, animierender Säure und sehr sauberem Fruchtbild. Weißweine zeigen bereits als Jungmost ein klares, bewegliches Profil; Burgundersorten und Rotweine profitieren von der warmen Vegetationsphase mit reifen Tanninen und guter Tiefe.

„Ich erinnere mich kaum an ein anderes Jahr, das uns so exzellente Trauben geschenkt hat. Wenig, aber wunderbar. Das Jahr begann recht trocken, was wahrscheinlich zu einem geringen Fruchtansatz geführt hat. Dann kam rechtzeitig Regen und zusammen mit ausgeweintem Wetter konnten die Trauben perfekt ausreifen. Vollreif und mit feinster Fruchtsäure geerntet, gären die Moste zu vollen intensiven Jungweinen heran. Wir sind gespannt, erwarten aber einiges.“

Steffen Christmann über den Jahrgang 2025

Präsident VDP.Die Prädikatsweingüter

Ein Turbo-Herbst hält die Winzer bei der Lese 2025 in Atem

Also ist der Weinjahrgang 2025 in Deutschland ein Jahr ohne Höhen und Tiefen? Wie man es nimmt, denn auffällig war der zeitweise recht dynamische Verlauf – oder wie es im Erntebericht des VDP so schön heißt: „Vieles geschah früher als gewohnt, manches schneller als geplant“. Und das sowohl in der Vegetationsphase als auch während der Lese. Gar von einem „Turbo-Herbst“ wird gesprochen. Der Lesebeginn war so früh wie nie zuvor, bereits Ende August waren die ersten Trauben reif. Offiziell begann man in den meisten Regionen dann Anfang September mit der Ernte.

In Franken etwa gab die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber am 10. September den offiziellen Startschuss. Dann ging es Schlag auf Schlag und es wurde nahezu rund um die Uhr gelesen, zwei bis drei Wochen später war so gut wie alles im Keller. Ein Tempo, das man so bisher nicht kannte, an der Nahe ging die Lese sogar als die am frühesten abgeschlossene in die Geschichtsbücher ein. „Dass ein Winzer mal in den Herbstferien Urlaub machen kann, gab es noch nie“, kommentiert Harald Sperling, Geschäftsführer des Weinbauverbands Nahe, dieses Phänomen. Und das auch hier an der Nahe bei sehr guten Qualitäten, wie Frank Schönleber aus Monzingen bestätigt: „Die Zuckerreife ging rapide vorwärts. Ähnlich wie in 2015 blieb die Säure dabei gut erhalten, was uns sehr gefreut hat.“ Präzises Selektieren und Handlese freilich waren auch 2025 die Garanten für anspruchsvolle Qualitäten, wie Schönleber weiter ausführt: „Von knackigen Trauben zur Erzeugung von Sekt-Grundwein über vollreife, goldgelbe GG-Träubchen bis hin zu wunderbar rosinierten Trauben zur Erzeugung von Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen hat der Jahrgang 2025 alles geliefert, was man sich wünschen kann.”

Jahrgang 2025: Auf was dürfen wir uns freuen?

Noch gären die 2025er in den Kellern, aber Lesegut und erste Mostproben sind vielversprechend. Die eingebrachten Trauben waren durchweg hochreif und sehr aromatisch, die Säurewerte passten und so erwartet man konzentrierte, fruchtintensive Weine mit ausgeprägter Frische und Struktur. Auch bei den Rotweinen zeichnet sich bereits jetzt dank sehr reifer Tannine eine ansprechende Struktur ab, wie etwa Alexander Stodden von der Ahr berichtet. In Baden sind die weißen Burgundersorten, allen voran der Weißburgunder, besten gelungen, in Franken lobt man einen „kühleren Jahrgang“, in dem allen voran sich der Silvaner von seiner frischen, würzigen und auch mineralischen Seite zeigt. Ein „Jahrgang mit Herkunft und Struktur, 2025 steht für Balance, Frische und eine klare fränkische Handschrift“, bringt man es beim VDP.Franken auf den Punkt. Heterogener zeigt sich das Bild an der Mosel, wie Dr. Maximilian Hendgen, GF Weinbauverband Mosel, erklärt: „Weinberge, die 2024 von Frost betroffen waren, brachten in diesem Jahr gute Erträge bei mittlerer Reife hervor. In anderen Lagen hingegen blieben die Erträge oft unter dem Durchschnitt, bei gleichzeitig sehr guten Reifewerten. Besonders in den Steillagen musste stark selektioniert werden, was teils zu Einbußen von 50 bis 75 Prozent führte.“ Insgesamt aber wurde an der Mosel deutlich mehr geerntet als im Vorjahr und auch die Qualität überzeugt, wie Dr. Carl von Schubert seitens des VDP.Mosel-Saar-Ruwer betont: „Insgesamt präsentiert sich die Region mit einer beeindruckenden Bandbreite: aromatische, tiefgründige, extraktreiche Rieslinge mit feiner Säure und bester Balance, ein Jahrgang mit großem Reifepotenzial“.

Rebsorten 2025: Gewinner & Verlierer

So schnitten die hierzulande meistverbreiteten Rebsorten im Weinjahrgang 2025 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ab:

Ob sich aus diesen Zahlen ein Trend ablesen lässt, wird sich zeigen. Eines aber ist unstrittig: Spätburgunder hat schon länger die Nase vorn und mausert sich mehr und mehr zur roten deutschen Leitrebsorte.

Mehr Infos über Weine und Weinbau in Deutschland: Schloss Johannisberg, Rheingau GG, Badische Jungwinzer, Weingut Van Volxem
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