Der Einfluss von (Mikro)klima und Bodentyp im Zusammenspiel mit den angepflanzten Reben. Der aus Frankreich stammende Begriff umfasst alle naturgegebenen Faktoren, die Einfluß auf den Charakter eines Weines nehmen können.

Nur in wenigen Lagen ist es möglich, Weine von wirklich unverwechselbarem Charakter zu erzeugen. In diesen Spitzenlagen können Weine mit Terroir-Charakter entstehen, vorausgesetzt der Winzer schafft die geeigneten Rahmenbedingungen wie rigorose Ertragsreduktion und einen Bestand an tiefwurzelnden, alten Rebstöcken.

Terroir lässt sich nicht allein auf die Bodenbeschaffenheit reduzieren. Nach P. Laville (Le Terroir, Bulletin de l´OIV 1990) bestimmen folgende Faktoren den Terroir:
– Klima (Temperatur und Niederschlag)
– Sonnenenergie und -einstrahlung
– Bodenrelief (Topographie): Höhenlage, Hangneigung und -richtung
– Geologie: maßgeblich für die physikalischen und chemischen Charakteristika des Bodens
– Hydrologie: maßgeblich für die Bodenfeuchtigkeit

Erst durch das Zusammenwirken dieser Faktoren können einzigartige Weine entstehen, die typisch für die Landschaft sind, in der sie entstanden sind. Auf der Suche nach dem Terroir hat man in Frankreich früh mit der Klassifizierung von Lagen und Weingütern begonnen (z.B. Bordeaux-Klassifizierung 1855). In den 1920er Jahren wurde der Begriff des Terroir erstmals im Zusammenhang mit den Weinen aus Chateauneuf-du-Pape geprägt.

In Deutschland ist diese Diskussion erst sehr viel später in Gang gekommen und wird hier vornehmlich unter dem Begriff der Lage geführt. Das deutsche Weingesetz von 1971 wirkte hierbei kontraproduktiv machte eine Lagen-Klassifikation schwieriger. Es wurden nämlich neben Einzellagen auch Großlagen zugelassen, die aus zusammengelegten Flächen bestanden und sehr unterschiedliche Qualitäten und Charaktere boten. Qualität wird zudem im Weingesetz nur über den Zuckergehalt im Traubensaft bestimmt (Öchsle) und sagt nichts über Stilistik und andere Eigenschaften eines Weines aus (siehe auch Qualitätswein).

Der Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) hat nach eigenen Angaben seit Mitte der 1980er Jahre daran gearbeitet, die Lagen-Diskussion von der Fokussierung auf den Zuckergehalt (Öchsle) zu lösen und die natürliche Herkunft eines Weines wie Lage, Boden, Mikroklima und Umfeld zu berücksichtigen. So entstand 1984 die Charta-Klassifikation für den Rheingau.

Eine Regelung für alle deutschen Weinbaugebiete konnte 2002 innerhalb des VDP mit dem Begriff Großes Gewächs erzielt werden. Die Prädikatsweingüter einigten sich damit auf einheitliche Erzeugungsrichtlinien. Kernpunkt ist die Festlegung als trockener Wein. Weitere Ausdifferenzierungen, die sich insbesondere mit der Einbindung der edelsüßen Weine befassten, folgten in den Jahren danach. So einigte man sich 2006 auf den Begriff Erste Lage, der das trockene Große Gewächs und die fruchtsüßen Weine umfasst. Für alle Weine gelten die gleichen terroir-orientierten Kriterien. Bei den fruchtsüßen Weinen legt jede Region fest, welche Geschmackstypen in welchem Weinberg das Terroir am besten repräsentieren.

Eine regionale Terroir-Allianz von 5 Winzern aus Franken tritt seit 2005 unter dem Namen Trias an und hat den Anspruch, trockene und unverwechselbare, vom jeweiligen Terroir geprägte Weine zu erzeugen.

Eine durchgehende Beschreibung des Terroirs und der Lagenklassifikation steht in Deutschland noch aus. Für den Oktober 2017 hat der VDP einen digitalen Lagenatlas angekündigt.

Siehe auch Trias und Qualitätswein

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